DES MURSTAUSTUFEN – PUDELS – KERN

Die Murstaustufe ist nicht das einzige Projekt welches die Gemüter derzeit hochgehen lässt, der Wohnpark „Timber in Town“ soll nicht nur den Holzbau zurück in die Stadt bringen, sondern auch Wohnen direkt an der Mur ermöglichen. Wir decken auf…

1.TEIL: TIMBER IN TOWN

Wer noch immer glaubt, die Murstaustufe diene der effizienten „Grünen“ Energiegewinnung, schaffe neuen Grünraum für die Menschen in der Stadt, sei bereits durchfinanziert und würde das ohnehin schon an der Kippe stehende Budget nicht weiter belasten, der glaubt auch noch daran, daß Parteipolitiker immer die Wahrheit sagen …

So wie es scheint, gibt es bei dem „Projekt Murstaustufe“ noch einen Zusammenhang mit weiteren Projekten, die bisher nicht entsprechend gewürdigt wurden:

Es gibt ein „Stadt – Umland – Entwicklungsprojekt“, dass es wahrlich in sich hat.
In diesem Projekt geht es besonders um Baulandentwicklung und Umwidmungen, sogar die Umwidmung von Schutzgebieten in Bauland wird da ermöglicht „ … wenn sie den Projektanforderungen entsprechen … “

Das Projekt „Timber in Town“ ist für 750 Wohneinheiten in Holzhochhäusern ausgelegt. (Quelle: Strobl-Architektur.at)

Denn es verdichten sich die Hinweise, daß in diesem Großprojekt nicht nur die Murstaustufe zu finden ist sondern auch ein Projekt um das es in letzter Zeit sehr still geworden ist, in dessen Entwicklung aber mindestens 2 Millionen Euro Fördergelder geflossen sind, nämlich der Holzcluster – „Timber in Town“.
Dieser Wohnpark soll laut Projektausschreibung 750 Wohneinheiten umfassen und von der Doktor Plochl Straße bis zur Mur reichen.

Die Umsetzung dieses Projektes hängt an der Realisierung der Murstaustufe und es hat den Anschein, daß da die Zeit schon mächtig drängt.

Dazu passen könnte auch die Stiftung einer Professur für Architektur und Holzbau auf der TU Graz (siehe Ausschreibung). Die treibenden Kräfte dahinter sind die steirische Landwirtschaftskammer und das Land Steiermark vertreten durch Landesrat Johann Seitinger (ÖVP).
Kurzer Exkurs, dessen ehemaliger Büroleiter Gerhard Gödl ist heute Richter im Landesverwaltungsgericht und wies die Beschwerde von Rettet die Mur gegen die Ablehnung der Stadt Graz Volksbefragung zum Murkraftwerk, ab.

Zu diesem Projekt gibt es folgende erstaunliche Details:

1.Lokalisation

„Timber in Town“ soll nördlich der Staustufe auf Höhe dem Veranstaltungsgelände „Seifenfabrik“ entstehen, dort wo in den Hochglanzfoldern der Projektgruppe die Strandabschnitte mit den begrünten Flächen eingezeichnet sind.

Dieses Areal ist im aktuellen Flächenwidmungsplan als Gewerbegebiet ausgezeichnet und steht zum Großteil im Eigentum des Investors Hannes Kovac.

Timber in Town wird liegt direkt neben dem Naherholungsgebiet und flankiert die Seifenfabrik zu beiden Seiten. (Quelle: Strobl-Architektur.at)

Für dieses Riesen-Bauprojekt soll auch eine Insel aufgeschüttet werden, die nördlich der Staumauer liegt. Laut veröffentlichten Plänen liegt die Insel im Bereich des jetzigen Murbettes, also dort wo jetzt gerade noch das Murwasser fließt.

Die als „Wohnen am Fluss“ bezeichneten, bis zu 8 Stockwerke hohen Gebäudekomplexe sollen Wohnraum für bis zu 1500 Menschen schaffen.

Also nichts mit freiem Zugang zur Mur für alle, nichts mit freiem Blick auf unseren Mur-Fluss und nichts mit Naherholungsraum, Begrünung und Freiflächen für die Grazerinnen und Grazer sondern richtig Geld für die Bauherren.

Und noch eine Nebenfrage die sich da aufdrängt: Wem gehört eigentlich das Grundstück in dem jetzt noch die Mur fließt und später diese Insel aufgeschüttet wird?

2.Grundstückseigentümer und Projektentwickler:

I. Hannes Kovac

II. PAP Privat – Stiftung,
Wienerstraße 365/8051 Graz (an der selben Adresse finden sich mindestens 13 weitere Firmen),
Stiftungszweck ist: Nutzung, Verwaltung und Verwendung des gewidmeten Vermögens
Gründung am 19.7.2004, Auflösung laut Vorstandsbeschluss am 18.12.2015

Vorstand:
Mag. Rene Schneider: (
auch in der Thallner Privatstiftung)
Hannes Kovac: Inhaber von mindestens 13 Firmen
Dr. Kurt Peter Hemmelmayr
Mag. Bernhard Rankel

3.Planungsunterlagen

Die auf dem Deckplan zum Entwurf des Flächenwidmungsplans 4.0 eingezeichneten Gebäude entsprechen weder in der Größe noch in der Lage denen, die auf den Projektpräsentationen von „Holzcluster“ bzw. „Timber in Town“ abgebildet sind.

Aktueller Entwurf des Flächenwidmungsplanes 4.0 im Bereich Seifenfabrik. (Quelle: Fläwi 4.0, Stadt Graz)

WIR fragen:

  • Was wird hier wirklich gebaut?
  • Wie kann ein Wohnbauprojekt bereits gefördert werden, wenn das Areal auf dem es steht im Flächenwidmungsplan noch als Gewerbegrund ausgewiesen ist?
  • Wer kassiert die Wertsteigerung im Fall einer Umwidmung in Bauland, die Stadt Graz als Verkäufer (das sind wir, die Eigentümer des Grundvermögens der Stadt Graz) oder die privaten Käufer?

In Legende wird deutlich dass das Gelände Seifenfabrik als Gewerbe- und nicht als Wohngebiet ausgezeichnet ist. (Quelle: Fläwi 4.0, Stadt Graz)

Förderungen

Einem veröffentlichten Artikel zu dem Projekt „Timber in Town“ ist zu entnehmen, daß bis 2012 bereits 2 Millionen Euro EU-Fördergelder in die Entwicklung dieses Holzbauprojektes geflossen sind und bis 2017 noch weitere Millionen Fördergelder investiert wurden.

Dem ewig wahren Spruch: „Von nix kommt nix“ entsprechend, ist schon richtig Geld geflossen in dieses Projekt, dessen Umsetzung an dem Bau der Murstaustufe hängt.

WIR fragen:

  • Wo sind die detaillierten Projektunterlagen
  • Wie lauten die Verträge zwischen der Stadt Graz und den privaten Käufern?
  • Wohin genau sind diese mindestens 2 Millionen Euro Fördergelder geflossen, wer hat davon profitiert und was wurde damit finanziert?
  • Paßt die Auflösung der Stiftung zufällig zusammen mit dem Datum der letzten Förderzahlungen?

4 Gedanken zu “DES MURSTAUSTUFEN – PUDELS – KERN

  1. Bin seit mehreren Monaten – auch als Öko-Detektiv – im Rahmen der Bürgerbewegung „Rettet die Mur“ und auch für das Murcamp tätig! Möchte auch eurem Recherchenteam Unterstützung anbieten, um die wirtschaftlichen Verflechtungen von Politik und Wirtschaft aufzudecken! Bei Interse ersuche ich um Kontaktaufnahme!

  2. Gratulation an eure Recherche.
    Was sagen eigentlich die Parteien im Gemeinderat zu diesen Fragen?

    Ich finde eure Aufklärungsarbeit sehr wertvoll und hoffe ihr bleibt hier am Ball.
    Es ist momentan anscheinend notwendiger denn je.

    mfg
    Stefan Hutter

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