Netzwerke – Die Freimaurer

Das Netzwerk der Freimaurer ist nicht nur sagenumwoben, sondern insbesondere in Österreich noch weniger bekannt, als jenes der katholischen Studentenverbindungen oder dass der Burschenschaften. Deswegen widmen wir uns heute dem Thema „Freimaurer“!
Im zweiten Teil unserer Reihe über die Netzwerke haben wir einen Artikel mit Interview aus dem Jahre 2010 wieder entdeckt, der sich mit den Freimaurern in Österreich beschäftigt und erklärt, warum man bei uns was die Logenarbeit betrifft, verschwiegener ist, als z.B. in Deutschland.
Dr. Ernst Sittinger von der Kleinen Zeitung (G7) führte hierbei mit Dr. Karl Albrecht Kubinzky, seines Zeichens Grazer Stadt-Historiker und Freimaurer, ein Interview über die Freimaurer-Logen in Graz und versucht die Mystifizierung der Logen und ihrer Netzwerke zu erklären.

Die Geheimnisse der Grazer Freimaurer

Wer sie sind, wo sie logieren, wie sie ihre Interessen wahren: G7 enthüllt alle verborgenen Hintergründe der vier Grazer Freimaurer-Logen.

Die im Dunkeln sieht man nicht, befand einst Bert Brecht. Für die geheimnisumwitterten Logen der Freimaurer gilt dieser Befund noch heute. Denn während „Outings“ auf vielen Gebieten Konjunktur haben, halten sich die Logenbrüder mit Offenbarungen zurück.

G7 hat sich trotzdem auf die Suche gemacht und enthüllt exklusiv die Geheimnisse der Freimaurer: Rund 160 Grazer gehören dem Geheimbund an, rund 800 Euro Jahresgebühr plus Spenden müssen sie berappen. Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte und Beamte bilden den Grundstock der Kartei. Es gibt in Graz vier Logen, die alle im Logenhaus am Kalvariengürtel residieren. Die älteste ist die 1783 gegründete Loge „Zu den vereinigten Herzen“, dann folgen „Die Brücke“ und „Erzherzog Johann“. Die jüngste Loge „Symbolon“ besteht seit wenigen Jahren.

Zwar ist es richtig, dass die Macht der Freimaurer oft dämonisiert und überschätzt wird. Andererseits wäre es falsch, sie nur als harmlosen Debattierklub älterer Herren zu sehen. Man bündelt Interessen und hilft einander, wo es eben geht. Das ist nicht verboten. Interessant sind die Freimaurer vielmehr durch ihre „strikte Arkandisziplin“. So nennt man das eiserne Prinzip, wonach sich zwar jeder selbst als Freimaurer outen darf, aber die Identität der Logenbrüder geheim halten muss. Dementsprechend abweisend reagieren prominente Freimaurer, wenn wir sie anhand der Mitgliedslisten kontaktieren. Ein Logenmitglied hat nämlich exklusiv für G7 seine Kartei geöffnet. „Ist Ihnen fad, haben Sie nichts Besseres zu tun?“, kontert etwa Rechtsanwalt Georg Eisenberger unsere Anfrage. Um dann einzulenken: „Ich bin Mitglied, bin aber wie die Jungfrau zum Kind gekommen.“ Schließlich ist auch Vater Gottfried ein „Maurer“. Eisenberger junior betont: Er wolle als Anwalt, nicht als Maurer wahrgenommen werden.
Geheimnisvolles Schweigen

Ähnlich reagiert der Historiker Karl Kubinzky, ein Mitbegründer der Symbolon-Loge. Der Grazer Röntgenfacharzt Helmfried Winter meint spontan: „Ich möchte nichts dazu sagen.“ Dann lässt er sich zu einem „Ja“ überreden. Winter: „Unsere Geheimniskrämerei hat auch positive Seiten, weil die Leute neugierig sind.“ Tatsächlich haben etwa die deutschen Freimaurer ihr Arkanprinzip aufgegeben, woraufhin der Andrang neuer Mitglieder stark nachgelassen hat. „Eine Katastrophe“, wie Winter sagt.

Anwalt und Immobilienprofi Reinhard Hohenberg zeigt sich nicht sehr auskunftsbereit: „Ihre Sorgen möchte ich haben.“ Die Mitgliedschaft sei erstens „Privatsache“, zweitens sei „nichts Konspiratives“ dran. Gerard Sonnenschein, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde und Vizeobmann der „Vereinigten Herzen“, hält sich ebenfalls bedeckt: „Ich will das nicht beantworten“, quittiert er unsere Frage.

Anders reagiert etwa der Komponist Karl Haidmayer, seines Zeichens Meister im 33. Grad: „Natürlich bin ich dabei.“ Beitrittsmotiv vor 40 Jahren sei ?die Idee von der Veredelung des Menschen“ gewesen. Auch ORF-Landesdirektor Gerhard Draxler bestätigt: „Ja, dieser Freundeskreis ist Teil meines Lebens.“ Und auch Ex-Messepräsident Peterheinz Gebell lüftet den Schleier: „Ich bin Freimaurer bei Erzherzog Johann. Die Geheimhaltung ist nur PR-Strategie.“ Fazit unseres Rundrufs: Die Listen sind verlässlich. Es stehen noch andere Prominente drauf, etwa Krentschker-Vorstand Michael Vollath oder Ex-VP-Klubchef Bernd Schilcher, die für uns nicht zu sprechen waren. Vielleicht ein Zufall. Oder sie haben besonders gut gemauert.

ERNST SITTINGER

„Mich interessiert auch nicht, wer bei Opus Dei ist“

KLEINE ZEITUNG: Sind Sie Freimaurer?
KARL ALBRECHT KUBINZKY: Ich sehe in meiner Zugehörigkeit zur Freimaurerei nichts besonders Hervorhebenswertes. Ich möchte als Kubinzky geliebt oder gehasst werden.
KLEINE ZEITUNG: Warum machen die Freimaurer so ein großes Geheimnis um Ihre Identität?
KUBINZKY: Es gibt viele Organisationen, die keine Mitgliederlisten veröffentlichen. Mich würde auch nicht interessieren, wer bei Opus Dei oder den Maltesern ist. Und ich gebe Ihnen diese Auskünfte ausdrücklich nur als Historiker und Soziologe. Ich bin nicht befugt, für die Freimaurer zu sprechen.
KLEINE ZEITUNG: Gewähren sich Freimaurer gegenseitig Vorteile und Aufträge?
KUBINZKY: Schauen Sie, wenn ich einen Dachdecker brauche, dann nehme ich den Freimaurer, wenn er entweder billiger oder gleich teuer ist. Ist er etwas teurer, nehme ich ihn vielleicht. Und ist er viel teurer, nehme ich ihn nicht. Ich kenne viele Yachtfreundschaften und Altmaturantenrunden, wo Ähnliches läuft. Wer aber ausschließlich auf Freundschaftsdienste angewiesen ist, wird nicht erfolgreich sein.
KLEINE ZEITUNG: Es gelingt aber nur den Freimaurern nachhaltig, als mächtiges und dunkles Netzwerk wahrgenommen zu werden.
KUBINZKY: Das sind Vorurteile derer, die sich ausgeschlossen fühlen. Es ist zu unterstellen, dass bei den Freimaurern kaum Angehörige aus der Schicht der Arbeiter und der Bauern, weiters keine Frauen und keine sehr jungen Menschen sind. Und für Angehörige solcher Gruppen ist es doch eine wunderbare Erklärung für alles, was im Leben schief geht, wenn man die Verantwortung einem dunklen Machtkartell zuweisen kann.
KLEINE ZEITUNG: Wie stark ist der Andrang?
KUBINZKY: Wir hätten deutlich mehr Interessenten, als integrierbar sind. Aber es ist nicht unser Konzept, eine Massenorganisation zu werden.

Karl Albrecht Kubinzky (76), Historiker und Freimaurer im „Literaturverein Symbolon“: „Ich kenne Yachtfreunde, wo das ähnlich läuft.“
Der Weg zum Logenplatz ist weit: Wer Interesse hat, muss einen Freimaurer kontaktieren, selbst von einem kontaktiert werden oder an die Großloge (1010 Wien, Rauhensteingasse 3) schreiben. Bei Interesse und Eignung (zugelassen sind „freie Männer“ ab 40 Jahren) wird man als „Suchender“ registriert. Die Neuaufnahme dieser Bewerber erfolgt als „Rezeption“ in feierlicher Form. Mittels „Ballotage“ wird abgestimmt, wobei jeder Freimaurer eine weiße (Zustimmung) oder schwarze Kugel in den Hut wirft. Bei drei schwarzen Kugeln ist man abgelehnt, bei ein oder zwei Nein-Stimmen werden die Gründe diskutiert.

Ein Gedanke zu “Netzwerke – Die Freimaurer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*